Hautkrebsvorsorge (Hautkrebsscreening)
Die Häufigkeit des Auftretens bösartiger Neubildungen der
Haut steigt bei Mittel- und Nordeuropäern seit Jahrzehnten steil
an. Dies und die Tatsache, dass das Hautorgan natürlicherweise
einer Vorsorge (Inspektion und Begutachtung) im Vergleich zu anderen
Organen leicht zugänglich ist, macht die
Hautkrebs-Vorsorgeuntersuchung zu einer der wichtigsten vorbeugenden
Gesundheitsmaßnahmen in unserer Gesellschaft. Die Richtlinien,
unter welchen Voraussetzungen das Hautkrebsscreening von den
Gesetzlichen Krankenkassen ggf. im Rahmen der Versicherung
übernommen wird oder inwieweit es eine Individuelle
Gesundheitsleistung und damit Selbstzahlerleistung darstellt,
unterliegen Änderungen, die zu einer unterschiedlichen Handhabung
auch innerhalb der Fachgruppe der Hautärzte führen kann.
Bitte informieren Sie sich vorab bei unseren
Praxismitarbeiterinnen über den aktuellen Stand.
Derzeit erkranken in Deutschland etwa 8000 Menschen an dem besonders gefährlichen, weil früh streuenden,
schwarzen Hautkrebs.
Die Rate hat sich in den letzten 30 Jahren mehr als verdoppelt, die
jährliche Neuerkrankungsrate beträgt zur Zeit damit
etwa 12 pro 100.000 Einwohnern. Damit erkrankt fast jeder
hundertste im Laufe seines Lebens an einem malignen Melanom.
2000 Menschen sterben jährlich in Deutschland an der Erkrankung.
Schwarzer Hautkrebs ist heilbar! Dies gilt aber nur,
wenn er im frühestmöglichen Stadium entfernt wird (geringe
Tumordicke), weil er dann noch nicht in das Lymph- und
Gefäßsystem einbricht und somit noch keinen Zugang zu
anderen Körperorganen finden kann. Im Spätstadium ist die
Heilungschance leider nur noch gering, befriedigende Therapieverfahren
stehen nicht zur Verfügung, obwohl es einige mutmachende
Ansätze gibt wie die hochdosierte langfistige Interferontherapie,
die aber mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden ist.
Es gibt verschiedene Melanomformen mit unterschiedlich guter bzw.
schlechter Prognose. Prinzipiell können Melanome in jedem
Lebensalter und an jeder Körperregion auftreten. Sie entstehen
entweder auf gesunder Haut oder auf einem vorbestehenden Muttermal. Nur
in seltenen Fällen besteht eine typische
Vorläuferveränderung (Altersmelanom im Gesicht auf Lentigo
maligna).
Aus diesen Gründen ist die fachkompetente Hautkrebsvorsorge
insbesondere für hellhäutige Menschen und Menschen mit vielen
Muttermalen fundamental wichtig.
Durch die verbesserte Früherkennung ist die Sterblichkeitsrate
(Letalität) beim schwarzen Hautkrebs in den letzten 30 Jahren
erheblich zurückgegangen. Während in den sechziger Jahren
noch fast jeder zweite Erkrankte dem Leiden erlag, ist es heute nicht
einmal mehr jeder fünfte. Die absolute Zahl der an schwarzem
Hautkrebs versterbenden Menschen (Gesamtmortalität) in
Mitteleuropa nimmt jedoch aufgrund der geschilderten
überproportionalen Häufigkeitszunahme der Neuerkrankungen
weiter leicht zu.
Neben der klinischen Erfahrung der Untersucher unterstützen
mittlerweile moderne technische Entwicklungen die korrekte Einstufung
von Muttermalen als gut- oder bösartig.
In unserer Praxis wird neben der klinischen Untersuchung eine
auflichtmikroskopische Untersuchung (Dermatoskopie) verdächtiger
Pigmentmale angeboten. Wir waren selbst bei der Entwicklung der
Dermatoskopie in der Münchener Universitäts-Hautklinik unter
Leitung von Herrn Prof. W. Stolz beteiligt und haben auf diesem Gebiet
wesentliche wissenschaftliche Arbeiten publiziert (ABCD-Regel der
Dermatoskopie) und Vorträge auf Internationalen Kongressen
gehalten.
Mittlerweile besteht in Fortentwicklung der Dermatoskopie die Möglichkeit der
digitalen Videomikroskopie (Videodokumentation von Muttermalen),
wodurch die Überwachung von Muttermalen wesentlich erleichtert
wird. Dabei werden die bestehenden Muttermale der einzelnen
Körperregionen in der Übersicht aufgenommen, auffällige
Male werden zusätzlich mikroskopiert, digital abgespeichert und
sofort mittels eines speziellen Bildanalyseverfahrens ausgewertet
(Größe,Form,Farbe etc.). Sofern eine Entfernung nicht
nötig ist, kann bei einer späteren Kontrolluntersuchung im
Bildvergleich auf die vorhandenen Daten zurückgegriffen werden, so
daß exakt bestimmt werden kann, ob sich ein Mal in Farbe,
Größe, Form usw. verändert hat. In unserer Praxis wird
das
TEACHSCREEN-Analysesystem
verwendet. Wir haben diese Untersuchung bei mehreren Tausend Patienten
durchgeführt und ein Bildarchiv von über 50.000
mikroskopischen Bildern aufgebaut.
Weder die dermatoskopische noch die videomikroskopische
Vorsorgeuntersuchung sind trotz ihres unbestrittenen
Nutzens Bestandteil der Leistungen der Gesetzlichen
Krankenversicherungen. Die Dermatoskopie ist nach Stand der Dinge (Mai
2008) auch nicht Bestandteil des Hautkrebsscreenings im Rahmen der
Mitte 2008 geplanten Änderung des EBM (Gebührenordnung
für Gesetzlich Krankenversicherte). Über aktuelle
Einzelheiten berät sie unser Praxisteam.
Neben dem malignen Melanom gibt es weitere bösartige Neubildungen der Haut, von denen das
Basaliom (Basalzellkrebs) und das
Spinozelluläre Karzinom (Stachelzellkrebs) die wichtigsten sind.
Beide Tumoren entstehen überwiegend (aber nicht immer!) in
höherem Alter auf lichtgeschädigter Haut, wobei wiederum
hellhäutige, sonnenbrandempfindliche Menschen besonders
häufig betroffen sind.
Das
Basaliom ist die häufigste bösartige Neubildung
an der Haut (über 120 Neuerkrankungen pro Jahr je 100.000
Einwohner). Wegen der fehlenden Tendenz zur Metastasierung wird es
gerne auch als semimaligne ("halbbösartig") bezeichnet, was jedoch
nicht darüber hinwegtäuschen darf, daß es jederzeit zu
einem biologisch äußerst aggressiven Wachstum mit
Zerstörung von Haut, Unterhaut und angrenzender Organstrukturen
(Knorpel, Knochen, Muskel usw.) kommen kann. Dies führt dann in
anatomisch kritischen Lokalisationen (Augenwinkel, Ohren, Nase,
Oberlippe usw.) bei entsprechender Tumorgröße unter
Umständen zu schwierigen Bedingungen. Auch hier ist deshalb die
frühzeitige operative Entfernung unbedingt anzustreben.
Wir führen die entsprechenden Eingriffe in unserer Praxis in
örtlicher Betäubung (Lokalanästhesie) durch. Lediglich
bei sehr großen Tumoren oder komplizierten Defektdeckungen
mittels großer Hautlappenverschiebungen oder freier
Hauttransplantationen ist eine zusätzliche "Kurznarkose"
(Stand-by-Analgosedierung), selten eine Maskennarkose, erforderlich,
die in unseren Operationsräumen von einem erfahrenen Narkosearzt
durchgeführt werden.
In einigen Ausnahmefällen kann zur Basaliomtherapie auch ein
nichtoperatives Verfahren gewählt werden (Laser,
Kältechirurgie, Photodynamische Therapie). Welche Maßnahme
den jeweiligen Umständen nach die geeignete ist, wird mit den
Betroffenen ausführlich besprochen.
Nicht ganz so häufig entsteht das
spinozelluläre Karzinom
(ca. 10 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohnern und Jahr), dafür
neigt es im Gegensatz zum Basaliom zur Streuung über die Lymphwege
und ist deshalb als gefährlicher einzustufen. Dem Stachelzellkrebs
gehen nicht selten Vorläufer-Hautveränderungen (sogenannte
aktinische Keratosen) voraus, die meist lange bestehen und noch nicht
bösartig sind. Deshalb ist es ebenfalls wichtig, rauhe,
rötliche, reibeisenartig schuppende Hautveränderngen in
lichtausgesetzter Haut hautfachärztlich kontrollieren zu lassen.
Wenn ein Stachelzellkrebs vorliegt, ist ebenfalls die chirurgische
Entfernung (Exzision) notwendig. Dies geschieht in den allermeisten
Fällen wie beim Melanom und Basaliom ambulant im Rahmen einer
schmerzlosen Operation in Lokalanästhesie.
Auch der
Lippenkrebs gehört zu den
Stachelzellkrebsformen. Zur Erzielung eines guten kosmetischen
Resultats sind bei dessen Entfernung besondere dermatochirurgische
Techniken erforderlich. Die entsprechende Erfahrung des Operateurs
vorausgesetzt, lassen sich aber auch sehr große Lippenkarzinome
ambulant entfernen, wobei die wiederaufgebaute Lippe oft schon nach
kurzer Zeit kaum noch auffällt.
Neben diesen drei wesentlichen bösartigen Hauttumoren gibt es noch
eine ganze Reihe weiterer, zum Glück sehr seltener Malignome der
Haut und Schleimhäute, deren Erkennen und Therapie in unser
Aufgabengebiet fällt.
Die meisten
Muttermale (
Pigmentmale) sind gutartig,
jedoch gibt es eine solch ungeheure Vielfalt ihrer Erscheinungsformen,
daß die Einordnung erhebliche hautärztliche Erfahrung
voraussetzt. Dabei ist zu berücksichtigen, daß nicht nur die
momentane Gut- oder Bösartigkeit eines Mals richtig beurteilt
werden muß, sondern auch dessen
Potenz und Risiko, bösartig zu entarten. Dies ist sehr wichtig bei Menschen, die sehr viele und oft auch untypische Muttermale haben (
Syndrom der dysplastischen Nävi, BK-Mole-Syndrom),
da es dann oft unmöglich ist, alle Male zu entfernen, andererseits
aber gefährliche unbedingt entfernt und untersucht werden
müssen.
Grundsätzlich gilt, daß (statistisch gesichert) eine
höhere Zahl von Muttermalen ein höheres Risiko für das Entstehen von Hautkrebs bedingt.
Weitere Risikofaktoren sind: heller Hauttyp, Veranlagung (selbst
früher schon Hautkrebs, Hautkrebs in der Familie), große
angeborene Muttermale, häufige Sonnenbrände (besonders in der
Kindheit) u.a.
Wir beraten Sie kompetent über Ihr individuelles Risko, die
notwendigen Vorsorgeintervalle und ggf. erforderliche therapeutische
Schritte.
Sofern die Entfernung von Muttermalen angezeigt ist, ist deren
qualifizierte feingewebliche (histologische) Untersuchung in einem
Speziallabor nötig. Wir arbeiten hierfür mit zwei der
renommiertesten deutschen
dermatohistopathologischen Labors zusammen:
Die dort tätigen Dermatologen sind auf die mikroskopische
Beurteilung ausschließlich von Hauterkrankungen spezialisiert.
Sofern sich eine Hautveränderung als nicht gutartig erweist, erhalten Sie von uns einen
Nachsorgeausweis, in dem das Ergebnis der Untersuchung sowie weitere Kontrolltermine, notwendige Zusatzuntersuchungen usw. eingetragen werden.